Die Autorin
Janette Hagedoorn-Schüch
ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Naturschutzamt des Landkreises Stade.

Steckbrief Feldlerche

  
Größe:
14-19 cm
Aussehen: Oberseite in verschiedenen Brauntönen, weißer Bauch, Brust hellbraun gestrichelt
Nahrung: Insekten, Spinnen, Würmer, Schnecken und Pflanzensamen
Verbreitung: Europa, Asien, Afrika
Natürliche Feinde: Fuchs, Krähe, Habicht, Sperber
Paarungszeit: April-Juni
Brutzeit: 10-14 Tage
Anzahl der Eier: 3-5 Eier
Lebensraum: offene Kulturlandschaften mit niedriger Vegetation

Feldlerche im Sinkflug

Selten wird ein Vogel zweimal vom NABU zum ‚Vogel des Jahres‘ ausgerufen. Der Feldlerche wurde diese eher ‚zweifelhafte‘ Ehre zuteil, denn vor 20 Jahren wurde bereits auf die sinkenden Bestandszahlen hingewiesen. Leider nimmt die Zahl des einstigen Charaktervogels der Feldflur weiter dramatisch ab. Offizielle Monitoringdaten des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) zeigen zwischen 1990 und 2015 einen Bestandseinbruch um 38 Prozent, also um deutlich mehr als ein Drittel.

Himmelsbotin

Auch wenn die Feldlerche mit ihrem unscheinbaren bräunlichen Gefieder gut getarnt ist, gehört sie doch zu den bekanntesten heimischen Vogelarten. Insbesondere ihr auffälliger Gesang, der häufig im mehrminütigen rüttelnden Singflug vorgetragen wird, läutet für Viele den Frühling ein. Zumeist singt die Lerche beim Flug nach oben, so dass sie auch ‚Himmelsbotin‘ genannt wird. Sogar in Gedichten, Liedern und selbst in Shakespeare’s „Romeo und Julia“ findet die Feldlerche Erwähnung. Die Bestandszahlen des einstigen Allerweltsvogels waren so hoch, dass die Feldlerche bis zum Ende des 19ten Jahrhunderts im Herbst gefangen wurde, da sie ‚in Butter gebraten‘ ein beliebtes Nahrungsmittel war.

Lebensraumansprüche

Die Feldlerche brütet bevorzugt in weiträumig offenem Kulturland mit einer hohen Strukturvielfalt. Sie favorisiert niedrige Vegetation mit offenen Stellen, wo sie ungestört ihr Bodennest bauen kann. Neben einem guten Nahrungsangebot benötigt der Feldvogel freie Sicht, um mögliche Feinde schneller zu bemerken. Daher hält er von Waldrändern und Hecken einen gewissen Mindestabstand. Außer in Ortschaften, Wäldern, Obsthöfen und verbuschten Mooren kommt die Feldlerche im Landkreis Stade überall im Offenland vor. Sie ist auf Geest- und grünlandgeprägten Moorstandorten anzutreffen und auch auf der Elbinsel Schwarztonnensand. Die höchste Brutpaardichte erreicht sie allerdings in Nordkehdingen, insbesondere auf extensiv genutztem Grünland. Außerhalb der Brutzeit hält sie sich gern auf Stoppelfeldern, Brachen, Ödland und unbefestigten Wegen auf.

Gefährdung

Ursprünglich bewohnte die Feldlerche fast alle baumfreien Lebensräume und konnte sich als Kulturfolger auf Heiden, Wiesen und Äckern bis Ende des 19. Jahrhunderts stark ausbreiten.
Anfang des 20. Jahrhunderts ging der Bestand langsam zurück. Seit den 1970er Jahren kam es deutschlandweit zu dramatischen Bestandsrückgängen von über 50 Prozent. Hauptursachen waren die Veränderungen in der Landbewirtschaftung und die Vergrößerung der Bearbeitungsflächen, die zu einem Verlust an wichtigen Strukturelementen wie Wegerändern, Brachflächen und Hecken führten. Schon damals wurde der Begriff ‚Stummer Frühling‘ für den Verlust der Feldvogelarten geprägt. Durch eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft, vermehrten Maisanbau und gesteigerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat der Brutbestand der Feldlerchen noch weiter abgenommen. 2008 lag er in Niedersachsen bei etwa 140.000 Brutpaaren, im Landkreis Stade noch bei etwa 3.500-6.000 Paaren, Tendenz weiter sinkend. Daher ist die Feldlerche mittlerweile in Kategorie 3 als „gefährdet“ in der Roten Liste der Brutvögel Niedersachsens und Bremens und auch auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands gelistet.
Ähnlich ergeht es auch vielen anderen Vogelarten der Agrarlandschaft. In der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie wurde anhand des ‚Agrarvogelindex des Indikators Artenvielfalt und Landschaftsqualität’ dokumentiert, dass zwischen 1990 und 2013 mehr als jeder fünfte Vogel aus unserer Feldflur verschwunden ist. Nur mit erheblichen zusätzlichen Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen in möglichst allen betroffenen Politikfeldern kann die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft wieder erhöht werden.

Feldlerche mit bräunlichem Gefieder (Foto: G.-M. Heinze)

Feldlerche im Singflug (Foto: G.-M. Heinze)

Gut getarnte Feldlerche auf einem Stoppelfeld (Foto: G.-M. Heinze)

Feldlerchen auf extensivem Grünland (Foto: G.-M. Heinze)

 

Die Autorin
Janette Hagedoorn-Schüch
ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Naturschutzamt des Landkreises Stade.

Steckbrief Feldlerche

  
Größe:
14-19 cm
Aussehen: Oberseite in verschiedenen Brauntönen, weißer Bauch, Brust hellbraun gestrichelt
Nahrung: Insekten, Spinnen, Würmer, Schnecken und Pflanzensamen
Verbreitung: Europa, Asien, Afrika
Natürliche Feinde: Fuchs, Krähe, Habicht, Sperber
Paarungszeit: April-Juni
Brutzeit: 10-14 Tage
Anzahl der Eier: 3-5 Eier
Lebensraum: offene Kulturlandschaften mit niedriger Vegetation