Die Autorin
Claudia Lorenz
ist Dipl.- Ingenieurin (FH) mit Schwerpunkt Landespflege und beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg für die Kompensations- und Kohärenzmaßnahmen in Niedersachsen im Rahmen der derzeit laufenden Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe zuständig.
Die Elbinsel Schwarztonnensand gehört zum Naturschutzgebiet ‚Elbe und Inseln‘ und eignet sich besonders gut für eine ungestörte Naturentwicklung. Im Rahmen der Kompensations- und Kohärenzmaßnahmen für die Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe wurde das Naturschutzgebiet deshalb deutlich aufgewertet.
Ursprünglich war die Insel eine Schlickbank in der Elbe, die auf der niedersächsischen Seite gegenüber von Asselersand liegt. Im Rahmen der Fahrrinnenanpassungen von 1968 bis 1977 wurde sie mit Sand aufgehöht und bepflanzt, um Sandflug zu verhindern. So entstand eine circa 160 Hektar große Insel, die als wichtiger Lebensraum für viele Vogelarten 1985 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.
Bei den Ausgleichsmaßnahmen, die durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA) ausgeführt wurden, ging es darum, den Erhaltungszustand des Lebensraums Ästuar zu verbessern. Ein Ästuar ist das Gebiet einer Flussmündung ins Meer inklusive der angrenzenden Uferbereiche. Hier an der Elbe ist dieser Lebensraum geprägt durch die Mischung von Süßwasser aus dem Zustrom der Elbe und Salzwasser durch den Tideeinfluss der Nordsee. Dieser sogenannte Brackwasserbereich ist ein wichtiger Lebensraum für darauf spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.
Die Elbinsel und die Schwarztonnensander Nebenelbe gehören nicht nur zum Naturschutzgebiet ‚Elbe und Inseln‘, sondern darüber hinaus zum Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und Vogelschutzgebiet ‚Unterelbe‘. Daher durften die Erdarbeiten hier nur zwischen Anfang Juli 2019 bis Ende März 2020 außerhalb der Brutzeiten stattfinden.
Insgesamt hat das WSA auf der Insel rund 46 Hektar durch Erdbaumaßnahmen so vorbereitet, dass sich unterschiedliche Biotope des Lebensraums Ästuar entwickeln können.
Auf sechs Hektar Fläche – das entspricht knapp 10 Fußballfeldern – erhielt das Gelände ein abwechslungsreiches Relief. Modelliert wurden Erhebungen bis zu 3 Meter über Normalhöhennull (NHN) und kleinflächige tiefe Senken (bis 1,60 Meter über NHN) mit flachen Böschungen. Anpflanzungen von Korb- und Silberweiden sollen die Auwaldentwicklung anstoßen. In diesem Gebiet mit nährstoffreichen Stillgewässern, unterschiedlichen Wasserständen, Bäumen, Büschen und Röhricht finden verschiedene Fisch-, Amphibien- und Vogelarten einen geeigneten Lebensraum.
An der Südostspitze der Insel wurde eine flache Uferfläche mit Offenboden hergerichtet. Unter Offenboden versteht man nur spärlich oder nicht bewachsenen Boden. Bei Bedarf wird die Fläche durch Fräsen in diesem Zustand gehalten. Die Teilfläche ist ca. 10 Hektar groß, erstreckt sich 400 Meter am Ufer entlang und ist 200 bis 300 Meter breit. Die Böschung steigt vom Ufer flach an bis auf 2,5 Meter über NHN, dann weiter sehr flach bis auf 3 Meter über NHN. Diese Sandfläche ist ideal für Offenlandbrüter, wie Kiebitz, Austernfischer, Regenpfeifer und Seeschwalbe.
Ein Beobachtungsstand („Hide“) ermöglicht es dem Verein Jordsand, der seit 1989 Schwarztonnensand betreut, die Entwicklung der Fläche zu verfolgen.
Aus den für die offenen Uferflächen gebaggerten Sandböden entstand in südlicher Nachbarschaft eine Dünenlandschaft. Die Dünen sollen sich langfristig zu Graudünen entwickeln. Graudünen sind mit einer vorwiegend grasartigen Pflanzendecke bewachsen. Die Vegetation kann sich entwickeln, wenn die Dünen längere Zeit ihre Gestalt nicht mehr verändert haben. Graudünen gibt es in Deutschland vor allem an der Nordseeküste. Sie sind ein wichtiges Biotop für verschiedene Insektenarten wie Laufkäfer und Heuschrecken.
Da das Betreten der Elbinsel Schwarztonnensand verboten ist, können sich die Ausgleichsmaßnahmen ungestört entwickeln. Lediglich Erfolgskontrollen durch Fachpersonal sollen in regelmäßigen Abständen im Naturschutzgebiet durchgeführt werden.
Die Insel Schwarztonnensand liegt am niedersächsischen Elbufer und gehört zur Gemeinde Drochtersen (Grafik: fraujansen kommunikation)
Die Maßnahmen auf der Insel Schwarztonnensand im Überblick (Grafik: fraujansen kommunikation)
Die abwechslungsreich modellierte Fläche für den Tide-Weiden-Auwald im Norden der Insel Schwarztonnensand im März 2020 (Foto: Jung & Rathjen im Auftrag des WSA Hamburg)
Gut einsehbar, flach vom Ufer ansteigend: Solche „Offenbodenflächen“ mit freiem Zugang zum Wasser für Bodenbrüter wie Kiebitz und Seeschwalbe (Foto: Jung & Rathjen im Auftrag des WSA Hamburg)
Die Autorin
Claudia Lorenz
ist Dipl.- Ingenieurin (FH) mit Schwerpunkt Landespflege und beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg für die Kompensations- und Kohärenzmaßnahmen in Niedersachsen im Rahmen der derzeit laufenden Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe zuständig.