Der Autor
Dipl.-Ing. Björn Rohloff
ist stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen.
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Eine der zentralen Herausforderungen für die Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts ist es, einerseits die wachsende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen und andererseits die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft zu erhalten. Das Dialog- und Demonstrationsprojekt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) hat sich zur Aufgabe gesetzt, hierfür effiziente Biodiversitätsmaßnahmen zu entwickeln und zu erproben, die dieser Herausforderung nachkommen. Unter dem Motto „Gemeinsam für mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft“ zeigt F.R.A.N.Z, dass eine moderne, leistungsfähige Landwirtschaft mit biologischer Vielfalt vereinbar ist. Das Projekt ist im Januar 2017 offiziell gestartet und auf 10 Jahre angelegt.
Gemeinsam setzen Landwirte und Naturschützer auf zehn bundesweit verteilten Demonstrationsbetrieben praktikable und wirtschaftlich tragfähige Biodiversitätsmaßnahmen um, die sich positiv auf die Artenvielfalt auswirken. Im Fokus steht eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Dies zeigt sich auch in der gemeinsamen Übernahme der Schirmherrschaft durch die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Eine grundlegende Rolle im Projekt spielt die Wissenschaft. Sowohl die ökologischen als auch die sozio-ökonomischen Auswirkungen der Biodiversitätsmaßnahmen werden umfassend vom Thünen-Institut für Biodiversität, von der Universität Göttingen und dem Michael-Otto-Institut im NABU untersucht.
Der Hof Hartmann in Lüneburg-Rettmer ist einer von zehn Betrieben, die sich an dem Projekt beteiligen. Der über 200 ha große Ackerbaubetrieb baut auf überwiegend sandigen Böden vor allem Kartoffeln und Zuckerrüben an. Im Rahmen des Projektes F.R.A.N.Z. konnten in den Jahren 2017 und 2018 bereits mehrere Maßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt auf den Betriebsflächen umgesetzt werden. Alle Maßnahmen verfolgen drei Ziele: Sie müssen naturschutzfachlich sinnvoll, praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig für den Betrieb sein.
Eine intensiv angelegte ökologische Begleitforschung untersucht, wie sich die Maßnahmen auf Amphibien, Feldhasen, Schmetterlinge, Vögel, Wildbienen und Pflanzen auswirken.
Auch die Erforschung der Ökosystemfunktionen Bestäubung und bodenbiologische Aktivität gehört zum Projekt. Jeder teilnehmende Betrieb unterliegt einer intensiven sozio-ökonomischen Betrachtung. Es erfolgt eine genaue Ermittlung der Maßnahmenkosten sowie eine Untersuchung der förder- und ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen.
Es geht v.a. darum,
Jeder Demonstrationsbetrieb wird bei der Umsetzung der Maßnahmen, aber auch bei Fragen zur Finanzierung, Rentabilität und zu ordnungsrechtlichen Vorgaben betreut und naturschutzfachlich beraten. Diese Aufgabe wird auf dem Hof Hartmann in Lüneburg durch die Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen wahrgenommen. Die Betriebsberater gewährleisten durch ihre regionale Anbindung und Akzeptanz den Zugang zu Landwirten in der Region. Zudem prüfen sie die Maßnahmen auf ihre Umsetzbarkeit in der Region. Dies beinhaltet die genaue Ausgestaltung, wie z. B. die Wahl der Blühmischung oder die Abstimmung zu Mahd oder Ernteterminen, als auch die Angabe von Maßnahmenflächen im Agrarantrag und die Prüfung, ob die Maßnahmen über bestehende Förderprogramme wie Agrarumweltmaßnahmen oder Vertragsnaturschutz finanziert werden können. Hierbei spielt auch die Kommunikation mit den entsprechenden Behörden in der Region eine wichtige Rolle.
Das Monitoring der Flora und Fauna zeigt bereits nach kurzer Zeit, dass Extensivgetreideflächen und Feldlerchenfenster in großen Wintergetreideschlägen zu höheren Feldvogeldichten geführt haben. Positive Entwicklungen gibt es auch bei den Pflanzen zu verzeichnen: Der Anteil von Wildpflanzen im Extensivgetreide ist deutlich höher als auf Vergleichsackerrändern oder im normalen Getreidebestand. Auch der Artenreichtum und die Anzahl an Schmetterlingen sind auf den untersuchten Blühstreifen höher als auf den Vergleichsflächen. „Das F.R.A.N.Z.-Projekt ist eine gute Gelegenheit, gemeinsam mit dem Naturschutz zusammenzuarbeiten“, berichtet Jochen Hartmann. „Das positive Feedback aus der Bevölkerung gibt uns Recht. Nur eine größere Artenvielfalt und damit intakte Ökosysteme sichern auf Dauer nachhaltige und ausreichend hohe Erträge.“
Mehrjähriger Blühstreifen (Foto: Hof Hartmann)
Blühende Untersaat in der Sommergerste (Foto: Hof Hartmann)
Erbsenfenster (40m x 40m groß) im Getreidefeld
(Foto: Hof Hartmann)
Jochen Hartmann und Björn Rohloff überprüfen das Abschieben des Oberbodens mit anschließender Einsaat einer Regio-Blühmischung. (Foto: C. Steinhauer)
Der Autor
Dipl.-Ing. Björn Rohloff
ist stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen
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