Die Autorin
Janette Hagedoorn-Schüch
ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Naturschutzamt des Landkreises Stade.
Der Storch als Symbol des Glücks und der Fruchtbarkeit und als Frühlingsbote kommt im Landkreis bereits seit dem 19. Jahrhundert vor. Aufzeichnungen aus der Dorfchronik von Bargstedt belegen einen Neststandort von 1880. Seit 1957 ist Gert Dahms als ehrenamtlicher Storchenbetreuer im Landkreis Stade tätig. Gemeinsam mit den Grundstücksbesitzern kümmert er sich um die Storchennester und hat so manchem verletzten Jungstorch geholfen. Seine umfangreichen Daten zum Storchenbestand, zu den Storchennestern und auch zu den Wiederfunden von beringten Störchen lieferten die Grundlage für die neue Internetseite zum Storchenschutz. Dort sind viele Informationen zur Lebensweise und Biologie der Weißstörche bereitgestellt. Vier interaktive Karten im Geoportal liefern zusätzlich die Möglichkeit, sich den aktuellen Storchenbestand und den Bestand aus 1934 genauer anzusehen. Zusätzlich geben die Wiederfunddaten von beringten Störchen Aufschluss über deren Herkunft und Zugwege.
Konnte man im Jahre 1934 den Landkreis Stade mit 340 Brutpaaren noch wahrlich als Storchenland bezeichnen, so gab es 2001 mit nur 14 Brutpaaren den Tiefststand. Langsam erholt sich der Storchenbestand mit aktuell 41 Horstpaaren. Auch wenn sich die Anzahl der Brutpaare in den letzten 15 Jahren erhöht hat, ist der Storch auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Um ihm langfristig das Überleben zu ermöglichen, sind optimale Lebensräume notwendig. Feuchte und extensiv bewirtschaftete Flächen mit Kleingewässern und offenen Gräben bieten reichlich Nahrung. Pro Jahr haben Störche ein bis vier Junge. Je besser die Nahrungssituation ausfällt, desto höher ist der Bruterfolg. In den ersten Monaten werden die Jungvögel mit Regenwürmern gefüttert. Danach gehören Insekten, Frösche und vor allem Mäuse zur Hauptnahrung. Der Tagesbedarf beträgt pro Storch etwa 700 Gramm, das entspricht 700 Regenwürmern oder 16 Mäusen. Aktuell befinden sich im Landkreis die meisten Storchenhorste auf der Stader Geest und in der Osteniederung.
Die Neststandorte im Kreisgebiet sind vor allem künstliche Nisthilfen auf Holz- und Gittermasten. Jedoch werden längst nicht alle angebotenen Nisthilfen von den Weißstörchen angenommen. Wichtig bei der Nistplatzwahl ist der umgebende Lebensraum mit einem guten Nahrungsangebot. Obwohl es im Kreisgebiet etwa 60 unbesetzte Nisthilfen gibt, kommt es an den besetzten Storchenhorsten trotzdem zu erbitterten Kämpfen um das Nest.
Das älteste Storchennest befindet sich auf dem Schornstein der ehemaligen Farbenfabrik Fokken in Buxtehude. Es ist seit 1927 jährlich von Störchen besetzt. Manchmal kann ein Nest auch mehrere Jahre vom selben Storchenpaar besetzt werden. Allerdings sind Störche eher dem Nest treu als dem Partner. Während der Zugzeit und im Winterquartier sind die Paare getrennt.
In den Jahren von 1962 bis 1982 hat Dahms über 2600 Jungstörche im Landkreis beringt. Anhand der Wiederfunddaten (Ringablesungen und Todfunde) konnte nachgewiesen werden, dass „unsere“ Störche sowohl westlich als auch östlich das Mittelmeer umfliegen, um in ihre Winterquartiere nach Afrika zu gelangen. Auf der Ostroute erreichen sie über den Bosporus ihr Winterquartier im Sudan und im Tschad, einige fliegen weiter bis nach Südafrika. Die Westzieher fliegen nach Spanien, überqueren die Straße von Gibraltar und ziehen weiter bis ins westliche Afrika. „Mittlerweile überwintern viele Störche in Spanien, wodurch sich deren Zug enorm verkürzt und die Störche bereits im Februar in den Landkreis zurückkehren.“, berichtet Gert Dahms, der sich seit 60 Jahren für den Storchenschutz engagiert. „Der Erhalt des Weißstorches in unserem Landkreis hat eine große Bedeutung, da er seit langem auch Teil unserer Kultur und Tradition ist.“
Der Storch erbeutet einen Regenwurm. (Foto: R. Duncker)
Gert Dahms befreit einen Jungstorch, der durch ein Plastikband am Nest gefangen war. (Foto: H.-J. Schaffhäuser)
Zur Begrüßung klappern die Störche. (Foto: H.-J. Schaffhäuser)
Anflug mit Nistmaterial (Foto: R. Duncker)
Gert Dahms beim Beringen eines Jungstorches 1962
(Foto: G. König)
Ein bettelnder Jungstorch wartet auf Futter vom Altvogel.
(Foto: H.-J. Schaffhäuser)
Die Autorin
Janette Hagedoorn-Schüch
ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Naturschutzamt des Landkreises Stade.