Der Autor
Dr. Max Peters
ist beim Niedersächsischen Heimatbund Leiter des Projekts ‚Wege in Niedersachsen‘
Weitere Informationen:
Niedersächsischer Heimatbund
Dr. Max Peters
Telefon: 0511/3681251
peters@niedersaechsischer-heimatbund.de
www.niedersaechsischer-heimatbund.de
Seit August 2018 führt der Niedersächsische Heimatbund e. V. (NHB) das Projekt „Wege in Niedersachsen“ (W i N) mit finanzieller Unterstützung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung durch. Auf der Grundlage einer Analyse der IST-Situation soll ein Konzept für ein Wegenetz der Zukunft entstehen. Kommunen sollen perspektivisch in der Wegeunterhaltung finanziell entlastet werden. Zusätzlich sollen alle Nutzer und Interessengruppen der ländlichen Wege zu ihrem Recht kommen. Neben der Landwirtschaft, der lokalen Bevölkerung und dem Tourismus wird der Naturschutz gleichermaßen als Interessensgruppe definiert. Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Bedürfnisse an einen ländlichen Weg, die oftmals die Multifunktionalität an ihre Grenzen stoßen lässt.
Es ist unbestritten, dass die Landwirtschaft die ländlichen Wege benötigt, um ihrer gesellschaftsrelevanten Aufgabe der Nahrungs- und Energiegewinnung gerecht zu werden. Die Wege dienen in diesem Fall der Erschließung der Landschaft sowie dem Transport von Gütern. Der Strukturwandel in der Agrarwirtschaft hat dazu geführt, dass die Wege heute von wesentlich größeren, breiteren und schwereren Maschinen befahren werden. Viele Wege und vor allem auch viele Brücken sind heute nicht mehr bedarfsgerecht ausgewiesen und vielerorts marode. Es besteht ein Investitionsstau und die Kommunen können die Instandsetzung der ca. 56.000 km ländlichen Wege in Niedersachsen finanziell kaum stemmen.
Der Naturschutz hingegen hat ein ganz besonderes Interesse an ländlichen Wegen, vor allem dort, wo die Fahrspur endet: im Seitenraum. Diese sollten möglichst großzügig in ihrer Breite vorhanden sein (Quantität) und durch eine richtige Pflege möglichst vielen Arten einen Lebensraum bieten (Qualität). Zusätzlich spielt die Beschaffenheit des Weges eine Rolle. Unbefestigte Wegedecken wie Gras- oder Sandwege können wichtige Biotope für die heimische Fauna sein. Gleichzeitig übernehmen die in der Regel linear angeordneten Wegeseitenränder die Funktion des Biotopverbundes.
Aus verschiedenen Gründen sind Wegeseitenränder in Niedersachsen in ihrer Quantität und Qualität oftmals eingeschränkt. Mancherorts werden sie falsch gepflegt, anderweitig genutzt oder kommen zu stark mit Dünger und/oder Pestiziden der Landwirtschaft in Kontakt. Ein aus Naturschutzsicht idealtypischer breiter bewachsener Wegeseitenraum kann zu Problemen führen, wenn der Weg starkem landwirtschaftlichen Verkehr ausgesetzt ist. Die Maschinen passen nicht hindurch und ein Ausweichen ist unmöglich. Aus Sicht des Radtourismus eignen sich Wege mit asphaltierter Tragschicht sehr gut, die durch bunt blühende Wegeseitenräume eine gewisse landschaftliche Ästhetik besitzen. Wanderer und Reiter bevorzugen dagegen eine offene Wegedecke.
Da sich manche Interessen diametral entgegenstehen können, ist es wichtig, bei der angestrebten Multifunktionalität der Wirtschaftswege immer das gesamte Wegenetz einer Gemeinde in den Blick zu nehmen. Dadurch lassen sich idealerweise die unterschiedlichen Interessen auf verschiedene Wege verteilen, wodurch ein gerechterer Umgang mit den ländlichen Wegen ermöglicht wird. Der NHB strebt mit seinem Projekt W i N die modellhafte Erarbeitung eines solchen Konzeptes auf Gemeindeebene an.
Nach einem Auswahlverfahren konnte die Gemeinde Rehburg-Loccum im Landkreis Nienburg als Modellregion gefunden werden. Dort wird im Verlauf des Jahres 2019 mit Hilfe von lokalen Akteuren und externen Experten ein entsprechendes Wirtschaftswegekonzept unter Berücksichtigung von kulturhistorischen und landschaftsästhetischen Aspekten sowie Fragen des Biotopverbundes entwickelt. Das erarbeitete Konzept wird der Bevölkerung auf mehreren Runden Tischen vorgestellt und es besteht die Möglichkeit der Einflussnahme.
Die Ergebnisse des Projekts werden für Mitte/Ende 2020 erwartet. Parallel dazu wird auf einer zweiten Ebene ein Leitfaden erarbeitet mit Bausteinen für eine Anwendung in weiteren niedersächsischen Gemeinden. Da sich beim ersten Auswahlverfahren viele niedersächsische Kommunen beworben hatten, ist aktuell angedacht, das Projekt zu erweitern. Das Konzept von W i N soll auf weitere Regionen in Niedersachsen übertragen werden. Bei Interesse können sich die Gemeinden beim Niedersächsischen Heimatbund melden.
Eine (zu) breite landwirtschaftliche Maschine auf einem (zu) schmalen ländlichen Weg. Was macht ein entgegenkommender Radfahrer? (Foto: Dr. R. Olomski/NHB)
Ein ländlicher Weg im Landkreis Stade bei Harsefeld (Foto: Dr. M. Peters/NHB)
Für Radfahrer ideal, aber für andere Interessensgruppen nur eingeschränkt nutzbar. (Foto: Dr. M. Peters/NHB)
Schematische Darstellung der Arbeitsschritte, die innerhalb der Modellregion Rehburg-Loccum durchgeführt werde sollen.
Der Autor
Dr. Max Peters
ist beim Niedersächsischen Heimatbund Leiter des Projekts ‚Wege in Niedersachsen‘
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